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Fr die einen war er ein Verrter, fr andere ein Held, der als einer der ersten das Schweigegelbde der Mafia durchbrach. Der packende Film beruht auf der wahren Geschichte der schillernden Persnlichkeit des Tommaso Buscetta.

Il Traditore Als Kronzeuge gegen die Cosa Nostra

Italien/ Frankreich/ Deutschland/ Brasilien 2019
Regie: Marco Bellocchio

Frei ab 12 Jahren,
153 Minuten

Eintrittspreis: 8,50 Euro,
ermigt: 7,50 Euro


Pfeil Nur DI 25.8. um 19.30 Uhr


Anfang der 80er Jahre flieht Tommaso Buscetta (Pierfrancesco Favino) zusammen mit seiner Familie nach Rio de Janeiro. Er hat genug von den immer brutaler werdenden Auseinandersetzungen der Mafia-Familien Siziliens, die durch den lukrativen Drogenhandel enorme Reichtmer angehuft haben und keine Skrupel mehr kennen. Doch die Freiheit whrt nicht lang, er wird verhaftet, gefoltert und schlielich nach Italien ausgeliefert.

In Palermo sieht er sich dem neuen Staatsanwalt Giovanni Falcone (Fausto Russo Alesi) gegenber, ein furchtloser Mann, der der Mafia den Kampf angesagt hat. Und das bislang Unvorstellbare passiert: Der Mafiose packt aus, liefert auf 487 Seiten Verhrprotokoll ein umfassendes Bild der sizilianischen Mafia, das zu hunderten Verhaftungen und schlielich den so genannten Maxi-Prozessen fhrt.

Doch der Widerstand innerhalb der Gesellschaft und vor allem der politischen Elite Italiens ist gro, 1992 wird Falcone brutal ermordet und auch Buscetta muss einen hohen Preis fr seinen Mut bezahlen: Er selbst und seine Familie leben zwar relativ geschtzt im Zeugenschutzprogramm in Amerika, doch zwei seiner Shne und etliche andere Familienangehrige werden aus Rache ermordet. Fr die Mafia, aber auch fr viele Verwandte, ist Buscetta kein Held, sondern ein Verrter.

Im Laufe seiner langen Karriere hat sich Marco Bellocchio immer wieder mit der Mafia, ihren Strukturen, aber auch ihrem Einfluss auf Teile der italienischen Gesellschaft beschftigt, die an sich gar nicht unmittelbar mit ihr zu tun haben. Allgegenwrtig wirkt gerade auf Sizilien die Mafia, dementsprechend schwer ist es, ihr etwas entgegenzusetzen, zumal sie Verbindungen bis in die politische Klasse, bis in die Hauptstadt Rom pflegt.

Diese Verbindung thematisierte er in dem brillanten Buongiorno, notte Die Affre Aldo Moro, der andeutete, welch dunkle Verbindung der vielfache Ministerprsident Giulio Andreotti zur Mafia hatte. Andreotti taucht auch in Der Verrter am Rande auf, doch auch wenn Bellocchio hier ein breites Geschichtspanorama entfaltet, steht doch stets Tommaso Buscetta im Mittelpunkt.

Man knnte diese Figur, die lange Jahre das se Leben eines hohen Mafiosis lebte, bevor er die Seiten wechselte, mit der Figur Henry Hills in Martin Scorseses Goodfellas vergleichen und vor allem kontrastieren. Denn whrend Hill den Verlust des Wohlstandes zutiefst bedauert, der Film dadurch immer wieder droht, zu einer Verklrung der Mafia zu werden, lsst Bellocchio durch seine zurckhaltende Regie keinen Zweifel daran, was richtig und was falsch ist.

Sprde wirkt sein Film zwar, betont schlicht und unaufdringlich gefilmt, aber nur so kann es gelingen, die Verfhrungskraft der Mafia zu unterlaufen. Ihre Skrupellosigkeit zu entlarven gelingt Bellocchio besonders in einem erschtternden Moment, wenn er den Mord an Falcone zeigt, der zusammen mit seiner Frau und seinen Leibwchter auf der Autobahn mit Tonnen Sprengstoff in Stcke gerissen wurde, der Reaktion der inhaftierten Mafiose gegenberstellt, die Champagnerkorken knallen lassen.

Buscetta selbst wurde im Laufe seines Lebens immer skeptischer, was den Kampf gegen die Mafia anging. Zu hilflos erschienen ihm die Staatsanwlte, zu wenig engagiert die politische Klasse, die wohl in Teilen auch heute noch Verbindungen zur Mafia unterhlt. Marco Bellocchios Film wird daran nichts ndern, doch ohne Filme wie diesen, in denen der Mafia etwas entgegengesetzt wird, wird es erst recht keinen Wandel geben.

Autor: Michael Meyns
Mit freundlicher Genehmigung von
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