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Der einfhlsame Film ber eine Grundschlerin, deren Gromutter an Alzheimer erkrankt, nimmt das junge Zielpublikum komplett ernst und erzhlt ohne Kitsch von einer besonderen Beziehung.

Romys Salon

Niederlande, Deutschland 2019
Regie: Mischa Kamp

Ohne Altersbeschrnkung,
90 Minuten

Eintrittspreis: 6,50 Euro,
ermigt: 5,50 Euro


Pfeil SA 17.10. und SO 18.10. um 15.00 Uhr


Romy (glaubwrdig: Vita Heijmen) ist Scheidungskind. Weil ihre Mutter Margot (Noortje Herlaar) in letzter Zeit sehr viel arbeitet, und Vater Willem (Guido Pollemans) sowieso, kommt die Zehnjhrige vorbergehend bei ihrer Gromutter Stine (Beppie Melissen) unter. Nach der Schule muss das Mdchen den Frisiersalon der Oma ansteuern, was der Enkelin aber nicht sonderlich gefllt. Immerhin hat Romy keinen guten Draht zur Gromutter, die keine Bilderbuch-Oma, sondern ziemlich kratzbrstig ist. Auerdem: Was soll Romy mit den alten Leuten im Salon anfangen, wenn sie nicht mal ihre Schulfreundin dorthin mitnehmen darf?

Das Verhltnis zwischen Enkelin und Gromutter ndert sich, als Romy immer hufiger Merkwrdigkeiten auffallen: Stine steht verwirrt vor der Kasse, erzhlt in ihrer Muttersprache Dnisch von ihrer Kindheit am Meer, verlegt stndig Dinge. Nach und nach kommt heraus, dass Stine Alzheimer hat. Also bernimmt die zuerst eingeweihte Romy einige Aufgaben im Salon, um der Oma zu helfen. Die neue Dynamik gefllt Romy, sie und Stine wachsen endlich zusammen. Doch die Krankheit wird immer mehr zum Problem. Als Stine schlielich ins Pflegeheim kommt, ergreift Romy die Initiative

Die niederlndische Regisseurin Mischa Kamp (Tony 10) mnzt den Film ganz auf Romys Perspektive, die sich schon zu Beginn in einem Voice Over ans Publikum wendet. Wir erleben die Demenz der Gromutter und die jeweiligen Baustellen der getrennt lebenden Eltern aus Romys Sicht mit, was auch bedeutet, dass die Art und Beschaffenheit der elterlichen Ablenkung nicht konkret gezeigt wird. Ein gelungener Clou, schlielich ist es im wahren Leben kaum anders: Welches Kind kann schon etwas damit anfangen, wenn die Eltern sagen, dass sie gerade viel Arbeit haben und das Wochenende deshalb flachfllt?

Ebenfalls positiv fllt die anfngliche Kratzbrstigkeit der Gromutter auf. Wo auch immer man in deutschen Kinderfilmen hinschaut: Die Groeltern und insbesondere die Omas sind stets gute Seelen, treue Helfer und Mutmacherinnen, auf die Kinder und Jugendliche immer zhlen knnen, wenn das Leben doof ist. In Romys Salon ist das anders. Die von Beppie Melissen eindringlich gespielte Stine ist zunchst wenig liebevoll, sondern streng und ihrerseits beschftigt. Eine Rabenoma knnte man meinen, aber eben auch eine realistische. Zwar geht die Freude ber die Enkel (und den eigenen indirekten Fortbestand) bei den meisten Menschen mit viel Gte und Liebe einher, doch eben nicht bei allen. Das Kino kennt aber meist nur Bilderbuch-Groeltern, sei es im Biopic Der Junge muss an die frische Luft oder in diversen Pferdemdchenfilmen. Auch mal eine strrische Oma zu sehen, ist durchaus interessant.

hnliches gilt fr die getrennten Lebenswege von Romys Eltern. Die Geschiedenen kooperieren trotzdem, Romy hat sich so ziemlich daran gewhnt. Die Familiensituation ist hier schlicht normal, was ebenfalls ans echte Leben andockt. Es muss ja nicht jeder Kinderfilm eine Scheidung zum frchterlichen Lebenseinschnitt stilisieren, wenn die Kinder gleichzeitig tagtglich in der Schule miterleben, dass das Leben trotzdem weitergeht und vielleicht sogar besser als vorher. Die didaktische Ader, die vielen Kinderfilmen innewohnt, und das Hochhalten hergebrachter Rollenmodelle spielen hier keine Rolle. Die Vorlagenautorin Tamara Bos, die auch das Drehbuch geschrieben hat, und die Regisseurin Mischa Kamp interessieren sich nicht dafr. Und mit Vita Heijmen und Beppie Melissen wurde ein Darstellerinnen-Duo gecastet, das sich wunderbar die Blle zuspielt.

Erst mit der beginnenden Demenz der Oma und dem dadurch neu definierten Verhltnis zwischen Romy und Stine blht die Beziehung auf. Wenn beide befreit shoppen gehen und einen schnen Tag verbringen, ist die Freude bei allen Beteiligten inklusive Publikum entsprechend grer und weniger aufgesetzt. Der normale Ablauf wre anders: Enkelin und Oma lieben sich abgttisch, bis die Krankheit der Oma Dramen erzeugt. Bei Romys Salon ist es genau umgekehrt und trotzdem oder gerade deswegen sehr kindgerecht.


Autor: Christian Horn
Mit freundlicher Genehmigung von
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